Die pogromartigen Ausschreitungen gegen die Christen und Juden der Türkei am 6. und 7. September 1955, mit dem Zentrum in Istanbul, markieren den Beginn der intensiven Auswanderung bzw. Vertreibung der griechischen, armenischen und jüdischen Einwohner aus der Metropole am Bosporus. Anders als lange Zeit in der Türkei behauptet, waren die Ausschreitungen zu einem großen Teil staatlich gesteuert und gewollt. Der Vortrag zeigt dies unwiderlegbar auf. Zugleich behandelt er die Septemberereignisse nicht als ein gleichsam aus dem Rahmen fallendes Phänomen, sondern sieht sie strukturell wie kausal in enger Verbindung mit den vorangegangenen ethnischen und religiösen Homogenisierungsbestrebungen des türkischen Staates seit der Jungtürkenrevolution von 1908. Dabei zeigt sich, dass auch vorangegangene Türkisierungsmaßnahmen vor allem das Ziel hatten, die Dominanz der Nichtmuslime im Wirtschaftsleben der Türkei zu beenden.

Dienstag, 21.10.2014 – 19.00 Uhr | Vortrag

Dr. Dilek Güven (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin)

Die Istanbuler Pogrome vom September 1955

 Moderation: Dr. Rolf Hosfeld  Veranstaltungsort: Lepsiushaus Potsdam, Große Weinmeisterstraße 45