Am 24. November 1943 verstarb der Elberfelder reformierte Theologe Helmut Hesse im Alter von nur 27 Jahren im Konzentrationslager Dachau. Hesse verwarf in öffentlicher Rede jedwede christliche Gewaltaktion gegenüber Juden. Die Kirche habe, so verkündete er im Kriegsjahr 1943, die heilsgeschichtliche Bedeutung Israels zu bezeugen und gegen jeden Versuch, das Judentum zu vernichten, Widerstand zu leisten. Gemeinsam mit seinem Vater, Pfarrer Hermann Albert Hesse, befand er sich über fünf Monate in Haft im Polizeigefängnis Wuppertal-Barmen, bevor Vater und Sohn am 14. November 1943 nach Dachau überführt wurden. Gesundheitlich stark geschwächt und auf Medikamente angewiesen, überstand der junge Theologe die schweren Haftbedingungen nicht. Nach dem Krieg ist Hesses mutige Tat und sein Martyrium lange Zeit zu wenig gewürdigt worden. Anlässlich seines 75. Todestags 2018 hat sich Manfred Gailus mit Helmut Hesse und seinem singulären Wirken erneut beschäftigt.
Manfred Gailus ist Professor für Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Arbeitsschwerpunkte in jüngster Zeit sind Kirchen- und Religionsgeschichte im 20. Jahrhundert, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus.